Sonderpreis für das COMEDIA Theater

Das Jugendstück "Schwarze Milch" gewinnt den Sonderpreis der Penguin's Days 2012

Das Festival Penguin's Days findet 2012 zum 20. Mal statt. In diesem Jahr mit dabei: Das COMEDIA Theater Jugendstück Schwarze Milch oder: Klassenfahrt nach Auschwitz (UA) und das COMEDIA Theater Kinderstück Schwestern – Eine besondere Nacht.

Wir freuen uns sehr, dass die Inszenierung "Schwarze Milch oder: Klassenfahrt nach Auschwitz" von Holger Schober in der Regie von Ulrike Stöck im Schlosstheater Moers mit dem Sonderpreis der Penguin's Days ausgezeichnet wurde. 

 

Die Laudatio:

"Liebes Tagebuch,
du weißt, ich gehe gerne ins Theater. Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass die Penguin’s Days zum 20. Mal stattfinden, habe ich mir vorgenommen, so viele Stücke wie möglich zu sehen. Ich habe es sogar geschafft, alle zu sehen. Eines hat mich besonders überrascht. Es ist mit dem Thema Nationalsozialismus ganz anders umgegangen. Auf eine, für mich, neue Art und Weise. Außerdem waren die SchauspielerInnen super. Zwei von den dreien haben sogar zwischendurch polnisch geredet. Ich verstehe kein polnisch, aber trotzdem konnte ich der Geschichte folgen, weil durch die Gesten und die Mimik dennoch alles verständlich blieb. Meines Erachtens nach war das ziemlich mutig. Gut gefallen hat mir auch das Bühnenbild. Es war ganz einfach, aber dennoch geschickt: zwei Styropor'kästen' haben sich je nach Bedarf der Szene angepasst, indem die SchauspielerInnen sie spielerisch verändert haben.

Zu Anfang des Stückes wusste ich nicht, wo genau die Geschichte hinführen würde. Der Junge, Thomas, erzählte, dass er noch nie etwas von Auschwitz gehört hatte und dachte, es wäre eine Saunalandschaft, wegen 'schwitz'. Eine seiner Klassenfahrten ging nach Auschwitz. Dort hat er erfahren, dass 6 Millionen Juden von den Nazis umgebracht worden sind. Mit diesem Wissen wollte er kein Deutscher mehr sein, er hat seinen Pass zerschreddert und aufgehört, deutsch zu reden. Obwohl er gesagt hat, dass 6 Millionen ja auch nur eine Zahl sei, dass er sich dazu kein Gefühl vorstellen könne. Es gab im Stück allerdings noch eine zweite Geschichte: Ein Mädchen hat aus einem Tagebuch vorgelesen. Es ging um ein polnisches Mädchen, das von einem deutschen Soldaten vergewaltigt wurde. Sie ist schwanger geworden und nach der Geburt hat sie sich umgebracht, weil sie in dem Kind immer den Deutschen gesehen hat. Diese Geschichte ist mir richtig nahe gegangen, denn später hat das Mädchen erfahren, dass das Tagebuch ihrer Urgroßmutter gehört hat. Auch die Geschichte von Thomas war bedrückend, da ich selber Deutsche bin und ich daher seinen inneren Konflikt gut nachvollziehen kann!

Am Ende wurde das Gedicht 'Todesfuge' von Paul Celan durch den Raum geworfen, wo es in den letzten Zeilen heißt: 'dein goldenes Haar Margarete, dein aschenes Haar Sulamith'.

Alles in allem war das Stück deshalb so beeindruckend, da es so ... wie soll ich es formulieren? Weil es so schön unpädagogisch war. Ja, das passt. In so vielen Stücken bekommt man gesagt: 'So macht man es richtig und so macht man es falsch'. Und genau so etwas gab es diesmal nicht. Es wurde viel angesprochen, doch dann eher im Raum stehen gelassen, so dass jede und jeder selbst weiterdenken muss.

Es würde mich nicht wundern, wenn 'Schwarze Milch oder: Klassenfahrt nach Auschwitz' vom COMEDIA Theater Köln einen Sonderpreis der Penguin’s Days für 'schön unpädagogisch' erhält."

 

Laudatorin: Anna Luise Dieren


TERMINE

Schwarze Milch oder: Klassenfahrt nach Auschwitz (UA) – die nächsten Spieltermine:

Di 26.06.12 um 11 Uhr
Mi 27.06.12 um 19 Uhr
Do 28.06.12 um 11 Uhr