Historie

Warum "Wagenhalle"?

Die Feuerwache Nr. 4 Cöln Süd wurde 1904 gebaut und 100 Jahre, also bis 2004 von der Feuerwehr genutzt.

Von außen lassen die unterschiedlichen Fensterformen sowie die Materialvielfalt der Ziegel- und Schiefereindeckung im Dach (heute nicht mehr im Original) den Jugendstil erkennen. Der Kölner Stadtanzeiger beschrieb das Gebäude am 16.7.1904:

"… süddeutsche Renaissance- und Barockmotive in moderner Art, die an der Hauptfassade zutage treten. Die Giebelflächen der Wagenhalle zwischen den von Basaltlava gefaßten Toren, Türen und Fenstern sind in sogenanntem Münchner Kammputz hergestellt. Das Dach und dessen Ausbauten mit Holzfachwerk sind mit roten Ludwigsburger Biberschwänzen nebst Schiefereinfassung gedeckt."

Die Schlusssteine über den Toren zeigen in der Mitte den Kopf eines Feuerwehrmannes. Rechts und links sieht man über den Ausfahrtstoren die Elemente Feuer und Wasser versinnbildlicht.
Vermutlich haben Sie die Wagenhalle vorbei am Vorverkauf betreten. Hier befanden sich auch früher die Schaltstellen des Hauses. Telegraphen- und Obermeisterdienstzimmer waren hier untergebracht. Was passierte, wenn ein Alarmruf einging?

"Bei Alarm genügt nur ein Hebeldruck und sämtliche Räume strahlen in elektrischem Licht. Die fünf Ausfahrtstore öffnen sich durch einen besondern, sinnreichen Mechanismus sofort von selbst, ebenso die Stalltüren. Die entsprechend abgerichteten Pferde laufen an die Wagendeichseln und sind durch einen einzigen Handgriff der Fahrer im Geschirr. Der Brandmeister sowohl wie die Mannschaften sind unterdes aus den oberen Räumen durch Schächte an Messingstangen herabgerutscht und finden alle nötigen Geräte, Helme usw. auf den Fahrzeugen in Bereitschaft. So wird es möglich gemacht, daß zwischen Alarm und Ausrücken ein Zeitraum von nur 16 bis 20 Sekunden verfließt."

(Zitat: Kölner Stadtanzeiger vom 16.7.1904)

Damit sind zwei Besonderheiten der Wache benannt: Pferdeställe in der Wagenhalle, Rutschstangen von den Aufenthaltsräumen direkt in die Wagenhalle. Nach 1923 kamen keine Pferdefuhrwerke, sondern Fahrzeuge zum Einsatz. Diese standen während der letzten 10 Nutzungsjahre in folgender Reihenfolge in der Wagenhalle:

    * 1. Tor links (von innen gesehen): Tanklöschwagen
    * 2. Tor: Funkdienstwagen
    * 3. Tor: Drehleiter
    * 4. Tor: Unfallwagen
    * 5. Tor: Rettungswagen


An den Wänden hingen die Uniformen. Wenn also ein Alarm einging, rutschten die Feuerwehrmänner die Rutschstangen hinunter in die Wagenhalle, griffen sich ihre jeweilige Uniform – die Plätze waren genau festgelegt und immer gleich – und sprangen in die Einsatzfahrzeuge. Manche Männer schliefen auch in ihren Hosen, mit den Stiefeln direkt neben dem Bett. Die Einsatzzeit betrug 18 Sekunden – das schafft heute keine Feuerwache mehr!

Die dritte Besonderheit war das Durchfahrsystem. Die Pferdefuhrwerke fuhren durch die Elsastraße in die Wagenhalle ein und standen dann schon in der richtigen Position für den nächsten Einsatz bereit.

In den Boden der Wagenhalle waren Spurrinnen eingelassen, damit die Pferdefuhrwerke richtig ausfahren konnten. Diese Spurrinnen konnten leider nicht erhalten werden. Später wurde das Rangieren in der Halle mit den größeren Feuerwehrwagen schwieriger. Schlug der Fahrer nicht exakt ein, musste noch einmal zurückgesetzt werden, um den Einsatzwagen durch das Tor hinaus fahren zu können.

Die Stadtreinigung war ebenfalls längere Zeit auf dem Gelände der Feuerwache Süd untergebracht. Nach dem 2. Weltkrieg, also in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, entstanden Schuppen und kleinere Werkstätten, wie z. B. eine Schlosserei mit Schmiedeofen. Auf dem Hof wurde mitunter auch exerziert, Sport getrieben, gegrillt, gebadet oder die einzelnen Wachmannschaften vertrieben sich die Zeit mit Mannschaftsspielen.

Sie haben nun einen Teil der ehemaligen Feuerwache Nr. 4 Cöln Süd kennen gelernt. Wollen Sie noch mehr sehen, so besuchen Sie das COMEDIA Theater, in dem architektonisch Alt und Neu auf spannende Art aufeinander treffen. Nutzen Sie die Möglichkeit, am Tag des Offenen Denkmals an einer Führung teilzunehmen und – besuchen Sie die Aufführungen des COMEDIA Theaters.

 

Autorin: Frau Marion Herzog, 2010