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Eine turbulente Nacht im Kaufhaus
»Zehn Kaufhof-Auszubildende als Schauspieler in der Comedia – Auszeichnung mit Mini-Oscar

„Wer bekommt schon an seinem Geburtstag einen Oscar verliehen?“, fragte Thomas Hembsch glücklich. Der jetzt 18-Jährige führte mit zehn anderen Kaufhof-Auszubildenden das Theaterstück „Kaufhausnachtspiel“ in der Comedia auf und erhielt mit seinen Kollegen ein Mini-Exemplar der Auszeichnung von Siegbert Gebhard, einem der Geschäftsführer des Warenhauses. „Ich war beeindruckt von ihrem Charme und Witz“, freute sich Gebhard über seine Azubis, die Einzelhandelskaufmann werden wollen.

In der ersten Kooperation zwischen dem Theater und dem Kaufhof spielten die Akteure Lehrlinge, die über Nacht im Kaufhof eingesperrt werden und allerlei Dinge ausprobieren. Nur fünf Tage hatten die jungen Leute für die Proben mit Dozentin Sabine Hahn Zeit. „Wir haben deshalb mit wenig Text gearbeitet und nutzen stimmungsvolle Musik“, so Hahn. So veranstalten sie im Stück etwa eine Modenschau oder lieferten sich einen Boxkampf in der Sportabteilung. „Wir würden bestimmt die selben Dinge anstellen“, meinte Thomas lachend.

Dabei werden die Azubis vom trotteligen Wachmann verfolgt, der immer eine Sekunde zu spät kommt und sie deshalb nicht auf frischer Tat ertappt. Bei einem Päuschen merkt er auch nicht, dass ein Azubi hinter seinem Rücken Faxen macht: „Ich musste mich total konzentrieren, um nicht loszulachen“, gestand Darsteller Marc Krahé (21).

Auch wenn das Stück nicht mehr aufgeführt wird, nimmt Auszubildende Fotini Pitii viel mit aus dem Probenworkshop: „Wir haben etwa gelernt, eine gerade Körperhaltung einzunehmen. Damit strahlt man mehr Selbstbewusstsein aus. Das hilft mir auch im Verkauf, wenn ich mal nicht so gut drauf bin.“ Vor allem kennt sie jetzt ihre Kollegen besser: „Das Projekt hat uns zusammengeschweißt.“

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Kölnische Rundschau 03.07.2007


Chefs als Fans
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Machen Angestellte Theater, dann meistens nicht zum Gefallen des Chefs. Elf Lehrlinge der Galeria Kaufhof bekamen am Freitag sogar Applaus von Geschäftsführung und Abteilungsleitern. Azubis des zweiten Lehrjahrs hatten fünf Tage Schauspielunterricht in der Comedia. Regisseurin Sabine Hahn entwickelte mit ihnen das Stück „Kaufhaus.Nacht.Spiel“, in dem sie versehentlich über Nacht im Kaufhaus eingesperrt werden. Da wurden Spielzeuge lebendig, es gab Boxszenen in der Sportabteilung, Slapstick in der Lebensmittelabteilung und Fernweh im Reisebüro. Da klatschte nicht nur der Chef...«

Kölner Stadt-Anzeiger 30.06.2007


Spaß an der Improvisation
»Vor Publikum auftreten? Viele träumen von der Schauspielerei. Einige Jugendliche arbeiten bereits daran, den Traum zu verwirklichen

Von Stephanie Rennecke

„Versucht noch mehr, euren ganzen Körper zu benutzen und genau das wiederzugeben, was ihr von Eurem Vorgänger bekommt“, mahnt Schauspielehrerin Sabine Barth. Die Teilnehmer des Aufbaukurses der Comedia stehen in einem Kreis formiert. Der Arbeitsauftrag lautet: Ein Geräusch mit einer Bewegung zu kombinieren und dieses an den rechten Nebenmann weiterzugeben, der es wiederum aufnimmt und versucht, in derselben Weise weiterzuleiten. Das Geräusch sowie die Bewegung dazu sollen sich steigern, wenn sie im Kreis weitergegeben werden.
Helena Cordier, 13 Jahre alt, ist die Erste, die sich eine solche Kombination ausdenken muss. Sie überlegt kurz, dreht sich dann nach rechts, verschränkt die Arme und sagt mit herausfordernder Stimme: „Aha!“ Von nun an ist der Raum mit „Ahas“ erfüllt, die, während das Wort durch den Kreis läuft immer fordernder werden, und auch die Bewegungen verändern sich.
An diesem Nachmittag besteht der Kreis der Schauspielschüler nur aus sieben Kursmitgliedern, sonst sind es zwölf. Seit vergangenem September haben diese vier Jungen und neun Mädchen bereits Schauspielunterricht bei der Comedia, und alle sind begeistert. Neun von ihnen wollen später einmal Schauspieler werden und freuen sich schon darauf, am Ende des Kurses auf einer großen Bühne vor Publikum aufzutreten. Vom gemeinsamen Traum getrieben, Schauspieler zu werden, haben sich die Kursteilnehmer hier beim Training zusammengefunden.
Als Nächstes ist die so genannte Spiegelübung an der Reihe. Die Schüler gehen nun paarweise zusammen und stellen sich einander gegenüber im Raum auf. Dann gehen sie aufeinander zu, und jeder versucht so zu gehen und sich zu bewegen wie sein Partner. Keine leichte Aufgabe, da sind sich alle einig. Doch Nadin Teichmann, 15 Jahre, weiß diese Schwierigkeiten zu schätzen. „Durch das Schauspieltraining trete ich jetzt viel selbstbewusster auf. Und als wir in der Schule im Unterricht mal eine Szene darstellen sollten, war ich natürlich klar im Vorteil gegenüber den Mitschülern.“
Ziemlich alle Kursteilnehmer sind ohne große Erwartungen in diesen Kurs gegegangen. Am meisten Spaß macht dieser Gruppe ganz klar die Improvisation. Doch auch alle anderen Übungen werden mit Vergnügen angenommen und ausprobiert, um durch jede weitere die Faszination Schauspiel zu erleben und dem Raum der Schauspielerei ein Stückchen näher zu kommen.



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Kölner Stadt-Anzeiger 23.02.2006


Abc für Schauspieler-Laien - Erfolgreiche Kurse mit professionellem Hintergrund
»Seit 15 Jahren macht Ursula Armbruster Theaterbegeisterte jeden Alters fit für die Laienbühne

Horst Piegler

15 Jahre ist es her. Da hatte die studierte Theologin und Theaterpädagogin Ursula Armbruster eine ABM-Stelle in der damaligen „Comedia Colonia“ inne, die heute schlicht Comedia hießt. Und sie überlegt, wie sie wohl diese Stelle – erstens – mit Inhalt füllen und – zweitens – nach dem Auslaufen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme weiter besetzen könnte. Denn eines war für sie klar: „Mein Ding ist das Theater“. Die Idee, die sie schließlich hatte, konnte man auf einen kurzen Nenner bringen: Schauspielkurse für Laien im Generationenmix. Theaterleiter Klaus Schweizer gab sein Einverständnis, aber er erinnert sich: „Ich war damals ausgesprochen skeptisch und sagte, das geht nur, wenn sich das Projekt selbst trägt.“

Es trug sich. Die erste Kleinanzeige („Spielwütige theaterintereressierte Menschen zwischen 10 und 60 für einen Wochenend-Schauspielworkshop gesucht“) war mit 40 Spielwütigen, die sich meldeten gleich ein derartiger Erfolg, dass daraus zwei Kurse entstanden. Ursula Armbruster lernte dabei mindestens so viel wie die Kursteilnehmer: „Ich hatte damals kein ausgefeiltes Konzept, keine Systematik – das hat sich erst während der Kurse entwickelt.“

Mit ihrer Idee hatte Ursula Armbruster voll ins Schwarze getroffen. Nach 15 Jahren firmieren die Kurse, die sie mit „Vize-Frau“ Simone Wrede leitet, als „Schauspieltraining“. Die Lehrgänge sind neben der abendlichen Kabarettabteilung der Comedia und dem Kinder- und Jugendtheater „Ömmes & Oimel“ ein vollwertiges drittes Standbein der Comedia Theater GmbH. Rund 40 Kurse pro Jahr finden mittlerweile im Probenhaus an der Bonner Straße in Bayenthal statt.
Der Grundgedanke ist geblieben. Das Angebot richtet sich an Laien und Amateure, nur der ursprüngliche „wilde“ Generationenmix ist etwas geregelt worden: Es gibt nun getrennte Kurse für Jugendliche und für Erwachsene. Insgesamt besteht eine komplette Schulung aus fünf Trimestern und endet mit enem Abschlussprojekt auf der Profi-Bühne der Comedia. Mit dieser Mischung aus Schulung und Anbindung an eine professionelle Bühne ist die Laienspielschule, für die inzwischen 18 Dozenten tätig sind, nach wie vor die einzige derartige Institution in Nordrhein-Westfalen. Mit dem geplanten Umzug in die Alte Feuerwache in der Vondelstraße sollen die Synergien von Profi-Theater und Schule noch besser genutzt werden.

Am 10. April ab 18 Uhr soll das 15-Jährige mit einem Geburtstagsfest in der Comedia in der Löwengasse gefeiert werden. Neben ein paar Ansprachen – versprochen sind kurze und kurzweilige - sind Ausschnitte aus drei Kurzinszenierungen zu sehen. Darunter ist auch „Im weißen Rössel“ mit dem „Theater Kosmos“: Das ist eine Amateurtheatergruppe, die aus dem allerersten Schauspielkursus hervorgegangen ist und – wie viele andere auch – so richtig Theater-Feuer gefangen hat.
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Kölner Stadt-Anzeiger 02./03.04.2005


„Meine erste sinnvolle Fortbildung“
»Einzige Laien-Schauspielschule Kölns feiert ihr 15-jähriges Bestehen

von Angelike Staub

Angepasste Frauen widersprechen ihren Männer, coole Jugendliche zeigen zarte Gefühle. Das klingt fast nach einem Therapiezentrum, ist es aber nicht. Doch es gibt Parallelen. „Unsere Teilnehnmer dürfen drauflos probieren und Sachen machen, die sie noch nie getan haben“, erzählt Ursula Armbrustesr, Gründerin des Comedia Schauspieltrainings, der heutigen Comedia Schauspielschule.
Auch der neue Name zum bevorstehenden 15. Geburtstag soll den Charakter dieses Trainings nicht verändern. „Controller werfen beim Betreten des Proberaumes erleichtert ihr Jackett und dann die Krawatte in die Ecke. Und Psychologen sprechen von ihrer ersten sinnvollen Fortbildung“, schmunzelt Simone Wrede, neben Armbruster die einzige Hauptangestellte der Laien-Schauspielschule. Dennoch, die zwei Trainingsstunden pro Woche seien harte Arbeit. Jeweils zehn Wochen dauern die fünf aufeinander aufbauenden Kurse. Nach rund zwei Jahren, zum Abschluss winkt dann ein Sahnehäubchen: die öffentliche Vorführung im Comedia-Theater.

Zusammen mit dem Gastspielbetrieb und dem Kinder- und Jugendtheater steht die Schauspielschule unter der gemeinnützigen Trägerschaft der Comedia Theater GmbH. Auf die letzten 15 Jahre zurückblickend muss Armbruster grinsen. 1990 fing sie mit einem einzigen Workshop von zwei Tagen an, heute laufen 25 Kurse parallel. „Ich hatte hier eine ABM-Stelle“, erinnert sie sich. „Und wie das so ist bei ABMs – sie laufen irgendwann mal aus. Doch ich wollte unbedingt hier bleiben.“ Überwiegend an der Kasse sitzend zebrach sich die ausgebildete Theologin und Theaterpädagogin den Kopf über ihre Zukunft: „Ich wollte etwas machen, was hier im Comedia wie auch in Köln fehlte.“ Und da sie schon damals selbst viel Spaß am Theaterspielen hatte, entschied sie sich, mit einer mickrigen Anzeige, die damals wie heute einzige Laien-Schauspielschule Kölns zu eröffnen.
Von Jahr zu Jahr verdoppelte sich die Nachfrage. Und so ist der Umzug ins neue Kulturhaus an der Vondelstraße (ehemalige Feuerwache) im nächsten Jahr dringend nötig. Denn dort wird das Duo, zusammen mit seinem Dozententeam, bestehend aus Schauspielern, Musikern und Regisseuren, mehr Platz vorfinden. Doch zuerst steht noch das Geburtstagsfestival am 10. April bevor. Und wie das bei Geburtstagskindern so üblich ist, dürfen sich auch Armbruster und Wrede etwas wünschen: „Wir möchten gerne wissen, wie viele Gruppen aus dem Schauspieltraining hervor gegangen sind, und ob diese noch bestehen“. Und fast bescheiden klingt der zweite, doch zugleich lebensnotwendige Wunsch: „Wir wollen Leute auch weiterhin glücklich machen.“«

Kölnische Rundschau 10.03.2005


Ein prima Ausgleich zum Alltag im Büro - In Schauspielkursen wird Laien das Vergnügen an Spiel und Sprache vermittelt
»Einmal Bühnenluft schnuppern und die Bretter betreten, die die Welt bedeuten – Das bietet die Comedia.

Von Chantal Tajdel

Schauspielinterssierten wird in den Comedia-Kursen der Spaß an darstellendem Spiel, an Sprache und Improvisation vermittelt. „Ich wollte endlich mal was für mich tun“, erzählt Heino Ophey, der seit knapp zwei Jahren einen Schauspielkursus in der Comedia belegt hat: „Ich brauchte einen Ausgleich zum Alltag im Büro." Aber man müsse sich auch die Zeit nehmen und konsequent bei der Sache bleiben, sagt der Werbefachmann.
Und nicht alle Teilnehmer halten durch, bis der Traum, einmal auf der Bühne zu stehen, wahr wird.
Fast zwei Jahre lang, einmal in der Woche trafen sich ursprünglich 16 Teilnehmer und erlernten zunächst im Basiskurs die Grundlagen der schauspielerischen Arbeit: Konzentration, Atemübungen, körperlicher Ausdruck, Wahrnehmung, Bewegung und Improvisation. Im weiterführenden Aufbaukursus wurden das Zusammenspiel der Teilnehmer, der Umgang mit Texten und die Arbeit an Rolle und Figur weiterentwickelt. Im darauf folgenden Theaterprojekt konnten die Teilnehmer dann ihre gesammelten Erfahrungen auf die Bühne bringen. Der nunmehr neunköpfige Kursus entschied sich für die schwarze Komödie „Vorsicht, Stock!“ von Christian Weber (weitere Aufführungen am 12./13. Januar, jeweils um 20 Uhr in der Comedia) – ein launiges-absurdes Stück, das mit zum Teil klamaukigen Szenen die Normalität auf den Kopf stellt. Mit Spaß und guter Laune zeigten die Laiendarsteller bei der ausverkauften Premiere in der Comedia, wie viel Freude es macht, ein Publikum zum Lachen zu bringen und zugleich die eigene darstellerische Fähigkeit zu testen.

„Unsere Teilnehmer lernen in den Kursen nicht nur das reine Schauspiel, sondern erfahren mit der Schauspielerei soziale Kompetenz, Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit“, erklärt Ursula Armbruster. Sie hat die Schauspielkurse vor 14 Jahren ins Leben gerufen. Viele Teilnehmer suchten einfach einen Ausgleich zum Job, da sie im Beruf zum Teil sehr angepasst sein müssten, erzählt die Theaterpädagogin weiter. Aber die neu gewonnenen Erfahrungen ließen sich dann sogar im Berufsleben anwenden.

Interessenten für die Schauspielkurse wenden sich an die Comedia unter Ruf 0221 – 399 60 24.«

Kölner Stadt-Anzeiger 09.01.2004


Eine traurige und komische Geschichte
»Das Abschlussprojekt

Nach dem Stück von John van Düffel haben zehn Laien-und Amateurschauspieler zwischen 16 und 50 Jahren mit Regisseur Jürgen Albrecht eine bissige Gesellschaftssatire erarbeitet.

Die High Society trinkt Blutsbrüderschaft und beißt sich dabei gegenseitig so stark in die Handgelenke, dass das Blut aus den Mündern läuft. Ein lesbisches Paar trennt sich, der junge Banker Reinhard bricht zusammen, als ihm sein Auftrag entzogen wird, eine Frau frisst und kotzt gleichzeitig, ein Mann spricht mit einer eingebildeten Frau im Ohr.

Eine wahre und traurige Geschichte. Und dennoch jubelnde Zuschauer. Das liegt wohl an den schreikomischen, spitzen Bemerkungen der Akteure, den skurrilen Situationen. Der Witz der Verrücktheit ist mächtiger als die Trauer der Hoffnungslosigkeit. Gut so.«

Kölner Stadt-Anzeiger 09.04.2003


Vorliebe für Filet ohne Knochen
»Mit Gewalt auf der Bühne und Lachen im Publikum durchzieht die Liebe zu Absurditäten die gesamte Stunde von

Elf Szenen formten das faszinierende Finale des Schauspiel-Kurses.

Da sind die beiden Freunde in ihrer Wohnung, die in zunehmender Paranoia an ihrer Wahrnehmung zweifeln und am Ende nicht nur das Heim, sondern sogar sich selbst verdächtigen Kopie zu sein. Da ist der schwärmerisch-eifersüchtige Liebhaber, der die schönen Beine seiner Angebeteten zwar bewundern, aber nicht potentiellen Nebenbuhlern gönnen will. Es endet gewalttätig. Der Metzger hackt wütend ins Fleisch, der Kumpel erschießt seinen Freund, der Liebhaber sägt seiner Freundin ein Bein ab.

In ihrer überdrehten Art symbolisieren die forschen Bühnentaten eben jene absurde Ausweglosigkeit, aufgeladen mit gewaltiger Energie und sind somit hervorragend geeignet, sämtliche Fähigkeiten der Schauspieler herauszukitzeln. Und so liessen Claudia Vanoucek, Sigo Streicher, Anette Overbeck, Hendrik Vogt, Jens Nowak, Ralf Gruber und Claus Hasenkamp glatt vergessen, dass es sich nicht um professionelles Theater handelte. Claus Hasenkamp als verzweifelter Greis, der zur Hirsch-Pirsch von einer Ecke in die andere geschleppt wird und in der Schlussszene als strickendes Mütterchen einen Hirschen gebärt, setzte sich mit perfekt dosiertem Timing und darstellerischer Flexibilität dabei an die Spitze des spielfreudigen Ensembles.«

Kölnische Rundschau, Kultur, 11.7.2002


Einmal böse sein
»Schauspieltraining der COMEDIA Colonia von Oliver Cech

"Uuuuh", dringt es sonor aus einem Hinterhof. Dann gellt ein wütendes "Iiiiihhh" hervor. Aufwärmtraining der Schauspielschüler: Resonanzräume weiten, Konzentration aufbauen, Blockaden lösen. Nachher steht Improvisation auf dem Programm, und frei aufspielen kann nur, wer hellwach und entspannt zugleich ist. "In Panik geraten" lautet dann eine Spielanweisung der Leiterin Ursula Armbruster. Da will sich ein Schüler vor Angst in der Wand vergraben, ein anderer bricht in gellende Schreie aus. Alle sind mit spürbarer Lust bei der Sache: Erwachsene, die endlich wieder spielen dürfen - schauspielen.

Spielen erwünscht Die Bühne lockt, immer schon. Und sie lockt auch jene, die von Berufs wegen so gar nichts mit Schauspielkunst zu schaffen haben: Physiotherapeuten und Sekretärinnen, Ingenieure. "Spielen verboten" steht zwar in ehernen Lettern über jedem Erwachsenenleben. Doch man gebe diesen Erwachsenen eine Bühne und etwas Anleitung, schon wirken sie wie ausgetauscht und setzen verborgene Talente frei.
Diese Erfahrung machte Ursula Armbruster, als sie vor 12 Jahren die Laienschauspielschule der COMEDIA gründete - die einzige ihrer Art in NRW. Rasch ist die Schule gewachsen auf die heutige Grösse von 20 Parallelkursen, geleitet von Schauspielern und Regisseuren. Bewährt hat sich eine Schulung in 5 Stufen, an deren Ende eine Abschlussinszenierung lockt. Doch von den großen Bühnenrollen, von Hamlet und Orphelia, träumt hier niemand.
"Mit den Leuten Lach- und Weinkrämpfe kriegen… alles ist erlaubt", so eine Schülerin. Einem anderen geht es darum, "einfach bewusst zu spüren, wie fühlt sich das an, wenn ich Angst spiele oder Wut." Dagegen reizt es eine Dritte, "mal einen ganz anderen Typ zu spielen. Eher den Bösewicht, denn böse bin ich sonst nicht. Und gerade das ist das Aufregende daran!"«

Kölner Stadt-Anzeiger, Beilage


Die gar nicht so sanfte Gewalt der Frauen
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Begeben Sie sich an eine belebte Strasse/einen belebten Platz. Sie versucht, die übrigen Frauen zu überzeugen, sich den Männern zu verweigern - solange, bis die Frieden schließen.
Frei nach Aristophanes inszenierte ein Schauspielkurs der COMEDIA in seinem Abschlussprojekt dessen Stück Lysistrata. Die 14 Absolventen verwendeten dazu die Sprache des Originals und setzten die Thematik auf amüsante Weise in eine zeitgemäße Handlung um. Unter der Leitung von Heinz Neumann und Frank Albrecht präsentierte der Kurs eine anspruchsvolle und kurzweilige Inszenierung.[…]
Grund- und Aufbaukurse hat Marion Schuhmacher durchlaufen, bevor schließlich der sogenannte Inszenierungskurs mit der Aufführung eines Stückes anstand. […]
Auf der Bühne stehen, mit Lampenfieber, die Rolle vorbereiten, das alles mache ihr unglaublich viel Spaß.Ihre elementarste Erfahrung beim Schauspielkurs war es, präzise auf den Punkt zu kommen, mit Mimik, Gestik und Worten die Dinge klar auszudrücken.«

Kölnische Rundschau, 25.4.2002


Makabre Greisenposse
»Premiere von Theresia Walsers

[…]Offenkundig lebt und stirbt (wenn das Wortspiel erlaubt ist) dieses Stück ja mit der Glaubwürdigkeit der Alten.Walser, die selbst im Altenheim gearbeitet hat, führt ohne Gnade vor, wie physischer und geistiger Verfall den Menschen ins Absurde zwingt: "Sterben und sich selbst noch ähnlich sein wollen, das ist zu viel verlangt." Doch schlägt der Sarkasmus nicht um in Denunziation, gewinnen die gerupften Alten eine eigentümliche, sterbliche Würde. Diese delikate Balance kosten die "Laiens" genussvoll aus, mit viel Gespür für Komik und den Schmerz dahinter. Und zuweilen entstehen hier Augenblicke von einer Prägnanz, wie man sie eher Profis zutrauen möchte. Berechtigter Applaus.«

Kölner Stadt-Anzeiger, Kultur, 31.1.2002


Wandernutten in der Comedia
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"Ich muss auch zusehen, dass ich keine Laufmaschen kriege", denn "der Abend ist irgendwie verwackelt" - solche Gags sind eine Ebene in Theresia Walsers Stück, in dem Männer und Frauen, getrennt voneinander, links und rechts auf der Bühne aufgestellt, übereinander herziehen. Ohne sich wirklich "in ihrer Schickslalsmathematik herumzufummeln". Dieses sprachliche Brimborium wird von der Mitte aus als nichtig entlarft, von einem Pornosarstellerpärchen und einer Frau, die mit einem Ast in der Hand auftritt und die eigentliche Hauptfigur ist: Den Ast hat sie gerade ihrem Freund auf dem Weg geräumt. Dann beschließt sie, ihn wieder in seinen WEg zuu legen. Soll er ihn doch selber wegräumen. So die lapidare Essenz dieses Stückes, das absurdes Theater mit zündender Comedy verzahnt. Die elf Schauspieler aus dem Schauspieltraining der Comedia "verwackeln" den Abend nicht. Im Gegenteil. Sie geben eine ansprechende Vorstellung.«

Kölner Stadt-Anzeiger, 02.02.2008


Erster Auftritt mit der \"Balletstunde\"
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Einmal den sterbenden SChwan tanzen, leicht und schwerelos wie eine Primaballerina - davon träumen die sieben Frauen, die auf einem Dachboden bei einer ehemaligen Profitänzerin Ballettunterricht nehmen. Zwischen verwackelten Pirouetten und schmerzenden Füßen scheinen schnell die kleinen und größeren Sorgen der SChülerinnen durch, denn Tanzen ist mehr, als Schritte üben und grazile Haltung- viel mehr. "Die Ballettstunde" von Astrid Saalbach war für die Absolventen der Comedia-Schauspielschule Höhepunkt und Abschluss der Ausbildung zugleich. Nach zwei Jahren Workshops und Bühnentraining feierten die acht Frauen und ein Mann im Comedia Theater Premiere. Unter der Regie von Jürgen Albrecht probten die Laien-Darsteller wochenlang - und brachen nun in Jubelgeschrei aus, als sie nach dem letzten Vorhand die Bühne verlassen hatten. "Das war eine enorme Leistung", lobte Albrecht seine Zöglinge. "Sie sind schließlich Amatuere, und für manche war es der erste Auftritt überhaupt in ihrem Leben."«

Kölner Stadt-Anzeiger, 19.03.2008


Die Symbolkraft roter Spaghetti
»Publikum feiert die Leistung von sieben Schauspielschülerinnen

Mit dem selbst entwickelten Theaterstück "Die sieben Schwestern" zeigte der Inszenierungskurs der Schauspielschule Comedia unter der Regie von Gisela Nohl eine fantastische und humoristische Spinnerei.

Mit starrem Blick stehen die sieben ungleichen Frauen an dem vornehm gedeckten Esstisch mit der roten Samtdecke und definieren dem erstaunten Publikum singend was sich alles "Sieben Schwestern" nennt: Kreidefelsen in England, Wasserfälle in Norwegen, eine Stadt in den USA und Wolkenkratzer in Moskau. Seit Menschengedenken ist die Sieben eine mystische Zahl. Besonders in Märchen und Mythen ist sie eine vielfach vorkommende Menge: die sieben Geißlein, Siebenmeilenstiefel, sieben auf einen Streich, sieben Zwerge.
Gisela Nohl, Regisseurin der Comedia hat die Nachwuchsschauspielerinnen über Grund- und Aufbaukurs bis zum Inszenierungsprojekt in den vergangenen zwei Jahren begleitet. Die Idee zum Stück entwickelte sich, als klar war, dass sieben Frauen an der Abschlussaufführung teilnehmen werden. "Durch die Zahl Sieben war für mich schnell die Märchenthematik hergestellt und in der Gruppe haben wir uns dann gemeinsam für die Geschichte der sieben ungleichen Schwestern und Stiefschwestern entschieden", erklärt Nohl. Die sich ständig zankenden Schwestern stehen dabei für bestimmte Charaktereigentschaften: die klagende Antonia (Ute Almoneit), die kämpferische Irena (Mareike Koch) und die zynische Victoria (Tatjana Freihof-Oertel). Vor der endgültigen Rollenfindung haben alle Laiendarstellerinnen zunächst alle Charaktere ausprobiert. Andrea Erdmann-Pagliaro, die die duldsame Masha spielt, hatte bei ihrer letzten Inszenierung einen besonders bösen Part übernommen und wollte nun das genaue Gegenteil ausprobieren. "Die Überlegung, die Gisela Nohl nach den ersten Übungen für die Besetzung angestellt hatte, passte genau zu den Entscheidungen, die jeder schon für sich getroffen hatte", erzählt sie begeistert.
Der Grund der Zusammenkunft ist die Garnfabrik des verstorbenen Vaters. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Handlung zum Abendbrot gibt es extrem lange, rot gefärbte Spaghetti, das kollektive Abendgebet lautet "Dein ist der Faden" und das gemeinschaftliche Fadenspiel (auch Hexenspiel genannt) symbolisiert die Verwobenheit der Schwestern. Eine gut gespielte mystische Geschichte mit vielen versteckten Andeutungen und Wortspielen, die das begeisterte Publikum immer wieder zu Szenenapplaus und Gekicher animierten. So sagte die heitere Elli (Ayse Oysal) süffisant lächelnd zur boshaften Gloria (Daniela Mölleken), der in Anspielung an die böse Stiefschwester aus Aschenputtel ein Zeh fehlt, "Ach, du spielst Golf. Na, dann hast du ja wohl Handicap neun."

von Anja Elsen«

Kölner Stadt-Anzeiger 17.04.2008




 
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