Presseartikel
Spaß an der Improvisation
»Vor Publikum auftreten? Viele träumen von der Schauspielerei. Einige Jugendliche arbeiten bereits daran, den Traum zu verwirklichen
Von Stephanie Rennecke
„Versucht noch mehr, euren ganzen Körper zu benutzen und genau das wiederzugeben, was ihr von Eurem Vorgänger bekommt“, mahnt Schauspielehrerin Sabine Barth. Die Teilnehmer des Aufbaukurses der Comedia stehen in einem Kreis formiert. Der Arbeitsauftrag lautet: Ein Geräusch mit einer Bewegung zu kombinieren und dieses an den rechten Nebenmann weiterzugeben, der es wiederum aufnimmt und versucht, in derselben Weise weiterzuleiten. Das Geräusch sowie die Bewegung dazu sollen sich steigern, wenn sie im Kreis weitergegeben werden.
Helena Cordier, 13 Jahre alt, ist die Erste, die sich eine solche Kombination ausdenken muss. Sie überlegt kurz, dreht sich dann nach rechts, verschränkt die Arme und sagt mit herausfordernder Stimme: „Aha!“ Von nun an ist der Raum mit „Ahas“ erfüllt, die, während das Wort durch den Kreis läuft immer fordernder werden, und auch die Bewegungen verändern sich.
An diesem Nachmittag besteht der Kreis der Schauspielschüler nur aus sieben Kursmitgliedern, sonst sind es zwölf. Seit vergangenem September haben diese vier Jungen und neun Mädchen bereits Schauspielunterricht bei der Comedia, und alle sind begeistert. Neun von ihnen wollen später einmal Schauspieler werden und freuen sich schon darauf, am Ende des Kurses auf einer großen Bühne vor Publikum aufzutreten. Vom gemeinsamen Traum getrieben, Schauspieler zu werden, haben sich die Kursteilnehmer hier beim Training zusammengefunden.
Als Nächstes ist die so genannte Spiegelübung an der Reihe. Die Schüler gehen nun paarweise zusammen und stellen sich einander gegenüber im Raum auf. Dann gehen sie aufeinander zu, und jeder versucht so zu gehen und sich zu bewegen wie sein Partner. Keine leichte Aufgabe, da sind sich alle einig. Doch Nadin Teichmann, 15 Jahre, weiß diese Schwierigkeiten zu schätzen. „Durch das Schauspieltraining trete ich jetzt viel selbstbewusster auf. Und als wir in der Schule im Unterricht mal eine Szene darstellen sollten, war ich natürlich klar im Vorteil gegenüber den Mitschülern.“
Ziemlich alle Kursteilnehmer sind ohne große Erwartungen in diesen Kurs gegegangen. Am meisten Spaß macht dieser Gruppe ganz klar die Improvisation. Doch auch alle anderen Übungen werden mit Vergnügen angenommen und ausprobiert, um durch jede weitere die Faszination Schauspiel zu erleben und dem Raum der Schauspielerei ein Stückchen näher zu kommen.
Kölner Stadt-Anzeiger 23.02.2008
Schauspiel ist auch Körperarbeit
„Shifu“ im Mittelpunkt eines Abschlussprojektes von Schauspielschülern
Von Angelika Staub
Längst haben die Gäste im Comedia-Theater Platz genommen. Munter plaudern sie noch, indes herrscht hinter der Bühne angespannte Stille. Konzentration ist gefragt. Acht Frauen und ein Mann stehen kurz vor ihrem Auftritt, dem „Abschlussprojekt“ der Comedia-Amateur-Schauspielschule. Ihr Lehrmeister – Regisseur und Schauspieler Rainer Conrad - checkt ein letztes Mal alles ab. Dann gibt er das Zeichen: Licht aus, Spot an.
Die Premiere der Abschlussschüler beginnt. Petra Lambeck aus der Südstadt ist plötzlich aufgeregt. Ihr Auftritt steht unmittelbar bevor. Sie spielt Shifu, den berühmten Kung Fu-Meister aus „Kung Fu Panda“, einem Zeichentrickfilm aus den Vereinigten Staaten. Seit einem halben Jahr hat sich die 32-Jährige mit ihrer Gruppe und dem Lehrer vorbereitet. Sie wählten Szenen aus, schrieben diese um, lernten die Texte anschließend auswendig, entschieden über Kostüme und Requisiten und gaben ihrer einstündigen Inszenierung schließlich den Namen „Die geheime Zutat“. Vorurteile und unentdeckte Fähigkeiten standen im Mittelpunkt der Szenen, die zumeist im Palast des alten Oogway, Shifus Lehrer spielten. Jeden Montag von 19 bis 22 Uhr und zuletzt auch am Wochenende trainierte die Gruppe in den Proberäumen der Comedia an der Bonner Straße – ganz gleich, wie der Tag bis dahin verlaufen war. Petra Lameck schöpfte viel Kraft aus der Besetzung. Sie bekam ihre Wunschrolle: „Ich wollte Shifu spielen, weil er so flink ist.“ Ihre Brötchen verdient die 32-jährige Journalistin bei der „Deutschen Welle“ in Bonn. Nur zum Ausgleich spielt sie Theater: Im Beruf arbeite sie fast ausschließlich mit dem Kopf, in der Schauspielschule mit dem ganzen Körper, erzählt Lambeck. [...]
Dennoch erlebte auch Lambeck den Auftritt im Comedia-Theater als Höhepunkt. „Es hat riesig Spaß gemacht.“ Sie habe in den vergangenen Jahren während der Proben sehr viel dazu gelernt. Zum Beispiel: „Schauspiel hat sehr viel mit Körperarbeit zu tun“, erklärt die Südstädterin. „Das ist anders in meinem Beruf, wo man Emotionen intellektuell beschreibt.“ Dem Journalismus will sie treu bleiben, zugleich aber ihre Bühnenarbeit fortsetzen.
Kölnische Rundschau 9.7.2009
Packendes Seniorentheater – Fast eine Art Gruppentherapie
Die „Comedia“ präsentiert ihre erste Seniorentheaterproduktion „Dahinter“
Von Christoph Seemann
Das Stück „Dahinter“ der Seniorentheatergruppe der Comedia-Schauspielschule war kein gewöhnliches Stück. Das lag weniger am Alter der Darsteller zwischen 69 nd 81 Jahren, sondern an der ungewöhnlich intensiven und persönlichen Art der Inszenierung. Denn die einzelnen Laienschauspieler nahmen keine Rollen an – sie stellten sich selber dar.
Komplett in schwarz gekleidet traten die Frauen und Männer auf, setzten sich auf eine lange Reihe von Stühlen und machen zunächst eine geraume Weile lang nichts, als eine Zeitung zu lesen und mit dem Füßen zur Musik zu wippen. Dann erzählte einer nach dem anderen eine Geschichte aus seinem Leben. Aufhänger war stets ein bestimmter Gegenstand, der die Erinnerung an die Episode auslöste. Da war zum Beispiel der scheinbar vitale Tennisspieler Bernd Diekmann. Der spielte in seiner Geschichte „Matchball“ äußerst beweglich mit dem Tennisball herum, begleitet von anfeuernden Rufen seiner Mit-Schauspieler. Dann, wie aus heiterem Himmel, stürzte er und der scheinbar so kraftstrotzende Mann erkannte seine Schwäche. Was folgte, war ein ergreifender Monolog über die Angst vor dem Alter, der Krankheit und dem Tod.
Oder Ute Kinzler mit ihrer Episode „Die Peitsche“. Sie erzählte dem Publikum, wie sie erfuhr, dass ihr Vater an den Kriegsverbrechen des Dritten Reiches beteiligt war. Oder Nathan Caes, Sohn einer Jüdin und eines deutschen Waffentechnikers, dessen Mutter nur verschont wurde, weil sein Vater „kriegswichtig“ war, und der sein erstes erotisches Erlebnis in den Wirren des Unterganges des deutschen Reichs erlebte. Alle Geschichten waren autobiografisch. Im Zuge der Vorbereitung auf das Stück hatten die Schauspieler vorläufige Monologe erarbeitet, an denen im Laufe der Proben immer mehr gefeilt wurde und die schließlich mit Bewegungen und Tänzen begleitet wurden. Für Regisseurin Kerstin Pöhler , die das Projekt von der erkrankten Andrea Bleikamp übernommen hatte, war es das erste Seniorenstück. Sie betonte die Emotionalität des Stückes für die Darsteller, die schon in den Proben spürbar gewesen sei: „Es geht in den Episoden ja um Aufabreitung, Reinigung, Katharsis – diese Tiefe hat sich erst im Laufe des Projektes entwickelt. Es war fast eine Art Gruppentherapie. Oft gab es Zweifel, und die Leute fragten sich: „Habe ich die Kraft, mich so zu öffnen und diese Erlebnisse einem Publikum zu präsentieren?“, berichtet sie.
Doch gerade der Moment der Aufarbeitung sei wichtig für die Schauspieler gewesen, die einer Generation entstammen, in der – besonders während der Nachkriegszeit – viel verdrängt wurde: „Während sich die einzelnen Darsteller öffneten, waren die anderen ja empathisch immer dabei und konnten das Erzählte kommentieren“, so Regisseurin Pöhler weiter. Zwei gut besuchte Aufführungen und ein minutenlang klatschendes Publikum waren das Ergebnis der Arbeit, eine weitere Aufführung ist für September geplant.
Kölner Stadt-Anzeiger 4.6.2009
TERMINE
<Februar 2012>-
Di
14.02.2012 19.30 Uhr
Mangelware (Infos)
Abschlussprojekt COMEDIA Schauspieltraining – PREMIERE
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Mi
15.02.2012 19.30 Uhr
Mangelware (Infos)
Abschlussprojekt COMEDIA Schauspieltraining
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